Werte

Werte bilden das moralische Grundgerüst unserer Gesellschaft, sie sind allgegenwärtig in unserem Zusammenleben. Ebenso wie Erwachsene sind auch Kinder ständig mit dem Thema Werte konfrontiert. Tagtäglich erfahren sie in der Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt, dass es Dinge gibt, die für unser Denken und Handeln richtungsweisend sind und die uns helfen, in der Frage nach richtig oder falsch zu entscheiden.

Kinder lernen an Vorbildern. Sie brauchen Erwachsene, die Überzeugungen vorleben und sich für ihre Werte einsetzen, auch gegen Widerstände. Erst dann können Kinder sich an den elterlichen Werten orientieren und reiben, ihnen zustimmen oder sie verwerfen. Werte sind damit auch „Steine des Anstoßens“.

Doch welche Werte sind heute überhaupt relevant? Wer entscheidet, was richtig und falsch ist? Wie gelingt es, Kindern Werte zu vermitteln? Wir haben für Sie einige Texte ausgewählt, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema Kinder und Werte auseinandersetzen.

Werte erwachsen – Unsere Verantwortung für die Kinder

Ursula von der Leyen

Wir brauchen Werte – das ist heute kaum strittig. Aber welche Werte? Das ist Gegenstand wichtiger und lebhafter Debatten – wichtig nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Integration von Zuwanderinnen und Zuwandern. Eine Gesellschaft, die sich über ihre Werte nicht im Klaren ist, kann niemanden integrieren; sie steht vor der Gefahr der Desintegration, des Zerfalls von Zusammenhalt und Zusammengehörigkeit.

Die zweite Frage ist die Frage der Vermittlung: Wie können Werte in einer offenen, von religiöser und weltanschaulicher Vielfalt geprägten Gesellschaft verbindlich werden? Wie bleiben sie lebendig, wie werden sie weitergegeben? Meine These und die Grundlage meiner Politik in diesem Bereich ist: Werte wachsen bei Kindern. Werteerziehung fängt in der Familie und im Kindergarten an. Eltern und Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen starkzumachen für die Vermittlung von Werten, ist Kern von Werteerziehung und unsere gemeinsame Verantwortung.

Maßlosigkeit und Beliebigkeit sind die größten Feinde der Erziehung

Werte – die Orientierung fürs Leben

Elke Leger

Ein Mann sitzt im Gerichtssaal, den Kopf gesenkt, er blickt auf seine Hände. Mit diesen Händen hat er sein Kind geschlagen, immer wieder, es blutig geprügelt, gestoßen - so lange, bis die Nachbarn das Jugendamt einschalteten. Warum er seinen Sohn misshandelt habe, will die Richterin wissen. "Weil er ständig gelogen hat." Der Sohn ist fünf Jahre alt.

Wann und wie Kinder Werte lernen

von Simone Pfeffer und Michael Göppner-Pfeffer

Kinder lernen moralisches Denken und Handeln in einem schrittweisen Prozess. Sie werden dabei von verschiedenen Einflüssen geprägt. Das Elternhaus spielt eine entscheidende Rolle, aber auch Kindergarten und Schule und die Freunde in der Nachbarschaft prägen die Erfahrungen des Kindes. Im Verhalten des Menschen der nahen Umgebung spiegeln sich die Werte der Kultur, die aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen und die Rassen-, Religions- und Schichtzugehörigkeit wieder.

Robert Coles (1998) bezeichnet die sich allmählich entwickelnde Fähigkeit zwischen richtig und falsch, gut und böse zu unterscheiden als moralische Intelligenz.

„Moralische Intelligenz erwirbt man nicht durch das Auswendiglernen von Regeln oder Vorschriften oder durch abstrakte Schuldiskussionen und häuslichen Gehorsam. Vielmehr wachsen wir moralisch, indem wir lernen, mit anderen umzugehen und uns in dieser Welt zu verhalten – ein Lernprozess, der darauf beruht, dass wir uns zu Herzen nehmen, was wir gesehen und gehört haben. Das Kind ist ein Zeuge, es ist ein ständig wachsamer Zeuge der Moral Erwachsener – oder ihres Fehlens“ (ebd. S. 17).

Der Erwachsene ist also Vorbild und damit Beispiel für gelebte Werte.

„Was sind eigentlich Werte?“

Veränderte Gesellschaft – veränderte Kindheit – veränderte Werte?

Lesen Sie zu dieser Frage den vielbeachteten Festvortrag des Stuttgarter Kinder- und Jugendpsychiaters Prof. Dr. Reinhart Lempp.